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Wissenswertes

Über die Bildung*

Der Mensch wird frei geboren und dann eingeschult.
Unbekanntes Zitat

Ziel heutiger Bildung ist die Akzeptanz des post-fordistischen Legitimationsmusters, daß das Recht der Partizipation an den prinzipiell knappen Früchten der gesellschaftlichen Arbeit nur jenen zusteht, die ihre grundsätzliche Austauschbarkeit akzeptiert haben und, aus diesem Bewußtsein heraus, sich permanent um ihre weitere und bessere Vermarktbarkeit bemühen.
Erich Ribolits

Unser wichtigstes Motto als Buchhändler und gleichzeitig unser praktizierter Lebensweg als Buchmenschen ist:

Bilden kann man sich nur selbst.
K. Steinmetz

"Chancengleichheit ist weder eine Utopie noch eine Illusion. Die abstrakte Verwirklichung von Chancengleichheit im Bildungswesen oder durch das Bildungswesen ist nichts anderes als die Legitimation (oder Verschleierung) der Regeln und Verfahren, nach denen Menschen tatsächlich in Güteklassen eingeteilt werden. Mit diesen Regeln und Verfahren werden nicht nur bereits erörterte Prämissen, Zwecke und Konsequenzen, sondern auch die Kriterien anerkannt, hinsichtlich derer Erfolg versus Misserfolg (häufig völlig fraglos) jeweils definiert sind."
(Helmut Heid 1988, S.11)

Bildung ist die Entfaltung oder Entwicklung der Fähigkeiten eines Menschen aus seinen Anlagen, angeregt und gesteuert durch seine Erziehung.

Bildung ist ein sprachlich, kulturell und historisch bedingter Begriff. Er ist auf den deutschen und skandinavischen Sprachraum begrenzt, hat dort aber eine sehr komplexe Bedeutung.

Der moderne dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert. Es kann aber keinen perfekten Menschen geben; individuelle Anlagen sowie zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen setzen der Verwirklichung eines wie auch immer definierten Bildungs-Ideals Grenzen.

Nach Daniel Goeudevert ist Bildung ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess in dessen glücklichem Verlauf eine selbstständige und selbsttätige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann. Bildung kann daher nicht auf Wissen reduziert werden: Wissen ist nicht das Ziel der Bildung, aber sehr wohl ein Hilfsmittel. Darüber hinaus setzt Bildung Urteilsvermögen, Reflexion und kritische Distanz gegenüber dem Informationsangebot voraus; andernfalls handelt es sich eher um Halbbildung.

Eine alternative Definition findet sich bei Kössler: "Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Man kann stattdessen auch sagen, Bildung bewirke Identität..." (Henning Kössler 1989, S. 56).

Während in unserem Alltagsdenken und -handeln der Bildungsbegriff stark mit Begriffen wie "Belehrung", "Wissensvermittlung" etc. verbunden ist, haftet seit Wilhelm von Humboldt in der Theorie und der Programmatik "dem Wort Bildung das Moment der Selbständigkeit, also des Sich-Bildens der Persönlichkeit" an (Hartmut von Hentig). Nach Humboldt ist Bildung die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen.

Das Wort Bildung selbst ist ein typisch deutsches und steht in spezifischer Beziehung zu "Erziehung". Diese in der deutschen Sprache unterschiedlich belegten Begriffe sind im Englischen als "education" zusammengefasst.

Über das Lesen*

Auch den Möbelpackern sind Leute, die Bücher lesen, zuwider. Aber sie haben wenigstens einen guten Grund dafür.
Gabriel Laub

Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.
Groucho Marx

Das Lesen im Bett zeugt von völliger Hingabe an die Kunst: Man überläßt es dem Dichter, wann man einschläft.
Ernst R. Hauschka

Ursprünglich bedeutete lesen in den germanischen Sprachen „einzeln einsammeln“. Diese Grundbedeutung ist im Deutschen bis heute lebendig und der Ursprung zahlreicher zusammengesetzter Wörter wie auflesen (vom Boden aufsammeln), Auslese (nach Qualitätsmerkmalen aussuchen), handverlesen (nach Einzelbetrachtung ausgesucht) und erlesen (qualitativ hochwertig). Auch die Weinlese als sorgsame händische Ernte von Weintrauben geht auf die germanische Urbedeutung zurück.

Ferner gibt es Sprichwörter, in denen lesen in seiner ursprünglichen Bedeutung noch heute verwendet wird, z. B. in „nicht viel Federlesens machen“: Früher mussten Federn gelesen werden, bevor man sie in Kissen füllen konnte. Dabei wurden harte und spitze Teile entfernt, so dass die Kissen angenehm weich wurden. Wer nicht besonders gründlich las, nahm die Nachteile der schlampigen Arbeit billigend in Kauf.

Die heutige Bedeutung des Wortes lesen bildete sich im Deutschen etwa zwischen dem 2. und 7. Jahrhundert und geht darauf zurück, dass das Lesen als „sorgfältiges Aufsammeln von Zeichen“ betrachtet werden kann. Die ältere Auffassung, es wäre ursprünglich das Auflesen von Wahrsagestäbchen (vgl. Buchstabe, Runen) gemeint, ist umstritten. Wegen der weitgehenden Bedeutungsgleichheit des lateinischen legere („aufsammeln“, „lesen“) und dem deutschen lesen gilt die heutige Hauptbedeutung als Lehnbedeutung aus dem Lateinischen.

Die kulturelle Bedeutung des Lesens hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Früher war die Lesefähigkeit ein Luxusgut der gehobenen Gesellschaft, das insbesondere den Frauen vorenthalten wurde. Heute gilt das Lesen als eine der Grundsäulen des Informationsaustauschs zwischen Menschen und wird in vielen Lebensbereichen vorausgesetzt. In Industriegesellschaften ist Lesen unabdingbar, um sich im Alltag zurechtzufinden: Preisschilder, Busfahrpläne und Mietverträge sind nur einige Beispiele für alltägliche Schriftstücke. Analphabeten, d. h. Menschen, die weder lesen noch schreiben können, sehen sich deshalb mitunter bei alltäglichen Aufgaben mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Die Lesekompetenz gilt daher als Grundfähigkeit, über die nach vorherrschender Meinung jeder Mensch verfügen sollte. Lesen wird Kindern deshalb zu Schulbeginn nahegebracht. Hilfsprogramme zielen darauf ab, Analphabeten das Lesen beizubringen.

Lesen gilt als Königsweg zur Bildung. Durch das Lesen von Sachtexten werden je nach Textqualität umfassende theoretische Kenntnisse erworben, die man direkt in die Praxis umsetzten kann. So ist es möglich Bildung auf verschiedensten Gebieten, von alltäglichen Dingen wie Kochen und Computerbedienung bis hin zu Wissenschaft und Kunst, zu gewinnen. Nicht nur in der akademischen Welt nimmt Lesen daher einen hohen Stellenwert ein. Personen mit hohem Bildungsgrad nennt man entsprechend belesen.

Ein wichtiger Teilaspekt des Lesens ist die Reflexion, also das Überdenken des Gelesenen. In Philosophie und Religion beispielsweise ist nicht nur das direkt vermittelte Wissen bedeutsam, sondern vor allem die Erkenntnisse, die der Leser durch Nachdenken über das Gelesene selbst gewinnt.

Lesen kann auch eine religiöse Erfahrung sein. Besonders deutlich zeigt sich dies im Islam, wenn Gläubige den Koran lesen: Das Lesen der Verse, die dem Glauben nach direkt von Gott diktiert wurden, stellt für Muslime einen feierlichen und erhabenen Akt dar.

Ferner kann Lesen auch kurzweiliger Zeitvertreib sein. Ganze Literaturgattungen, z. B. Unterhaltungsliteratur, aber auch Gebiete wie Belletristik und Poesie, zielen darauf ab, den Leser zu unterhalten, oder sollen mit Genuss gelesen werden. Dabei gilt das Lesen als kreativer Prozess, denn erst die eigene Vorstellungskraft erweckt das Gelesene im Kopf des Lesers zum Leben.

Lesen lernen – Schreiben lernen*

Lesen und Schreiben hängen sehr eng zusammen, und in der Regel gilt: Wer das eine kann, kann auch das andere. Alle gängigen Lehrmethoden zielen deshalb darauf ab, Lesen und Schreiben gleichzeitig zu lehren. Dabei werden heute im Unterricht an der Grundschule synthetische Leselernmethoden (Lautiermethoden) und analytische Methoden (Ganzheitsmethoden) oftmals kombiniert (Methodenintegration).

Die Frage, wie man einem Menschen Schrift am besten nahebringt, beschäftigt die Pädagogik seit geraumer Zeit und konnte bis heute nicht eindeutig beantwortet werden. Nach heute vorherrschender Meinung zeitigt eine vernünftige Durchmischung verschiedener Methoden großen Erfolg.

Wie bei jeder Frage nach Lehr- und Lernmethoden spielt auch beim Lesen die Lernsituation eine tragende Rolle. Die Lesesituation ist eine besondere Form der kommunikativen Situation und umfasst äußere und innere Bedingungen, die das Verhalten des Lesers beeinflussen. Äußere Faktoren wie Beleuchtung, Temperatur, Bequemlichkeit und Geräuschpegel beeinflussen hauptsächlich die physischen Aspekte des Lesens, nehmen jedoch auch Einfluss auf die körperliche Befindlichkeit des Lesers. Innere Faktoren wie Vorkenntnisse, Neugier, Lust und körperliche Befindlichkeit verstärken oder vermindern vor allem die Motivation des Lesers und tragen zum Grad des erworbenen Textverständnisses bei. Der gleiche Text, in verschiedenen Lesesituationen gelesen, kann in einem Leser verschiedene Vorstellungen und Einstellungen hervorrufen.

Um eine gute Lernsituation zu erhalten, müssen äußere wie innere Rahmenbedingungen möglichst positiv gestaltet werden. Gute Raumausleuchtung und niedriger Geräuschpegel sind vergleichsweise leicht zu erreichen, die innere Einstellung des Lesers kann jedoch nicht ohne weiteres beeinflusst werden.

Die wichtigste Bedingung der Lesesituation ist die Lesemotivation. Die Motivation, also der Beweggrund, aus dem gelesen wird, beherrscht nahezu alle anderen Faktoren. Optimal ist eine intrinsische Motivation, die der Leser aus sich selbst heraus aufbaut und aufrechterhält und die ihn auch unter den widrigsten Umständen weiterlesen lässt. Selbst moderne pädagogische Mittel erreichen in der Regel jedoch nur eine extrinsische Motivation, die, von außen eingebracht, bereits nach kurzer Zeit wieder abklingt.

Schule*

Jenes Exil, in dem der Erwachsene das Kind solange hält, bis es imstande ist, in der Erwachsenenwelt zu leben, ohne zu stören.
Maria Montessori (1870-1952)

Die deutsche Schule weiß viel, nur von Kindern weiß sie wenig.
Unbekanntes Zitat

Die englische Schulausbildung ist die beste der Welt - falls man sie überlebt.
Peter Ustinov (1921-2004)

Die Gründerväter in ihrer Weisheit entschieden, Kinder wären eine unnatürliche Belastung für ihre Eltern. So sorgten sie für Gefängnisse genannt Schulen, ausgestattet mit Torturen genannt Erziehung. Schule ist, wohin du in der Zeit gehst, wo dich deine Eltern nicht nehmen können und die Arbeitswelt dich nicht nehmen kann. (The founding fathers in their wisdom decided that children were an unnatural strain on parents. So they provided jails called schools, equipped with tortures called education. School is where you go between when your parents can't take you and industry can't take you.)
John Updike (*1932)

Ich habe mir nie meine Erziehung durch Schulbildung verderben lassen.
Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens - 1835-1910)

Lehrer müssen im Zeitalter der Infobahn anders unterrichten. Das stimmt. Aber sie werden weiter gebraucht. Die Kinder wollen nicht einfach allein zu Hause sitzen und am Bildschirm Lernstoff in sich hineinsaugen. Sie brauchen die Gruppe, sie brauchen den menschlichen Aspekt, sie brauchen den Lehrer.
Bill Gates (*1955)

Ich war vor allem eine abwesende Schülerin! Ich war mehr daran interessiert, mit den Surfern am Strand herumzuhängen und Zigaretten zu rauchen. Ich konnte gar nicht erwarten, daß die Schulzeit vorbei ist. Ich hatte nie einen Lehrer, der kapiert, daß der Trick darin besteht, die Kids dazu zu bringen, daß sie lernen wollen, bevor man versucht, ihnen irgendetwas beizubringen.
Michelle Pfeiffer (*1958)

(* Quelle – vorwiegend Wikipedia)

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